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Recht / Zivilrecht 
Mittwoch, 21.10.2020

Flugannullierung wegen kompletten Stromausfalls am Flughafen - kein Entschädigungsanspruch

Wenn es zu einer Flugannullierung kommt, weil am Flughafen komplett der Strom ausfällt, besteht kein Anspruch auf Entschädigung nach der Fluggastrechteverordnung (VO). Die Fluggesellschaft kann sich in einem solchen Fall auf außergewöhnliche Umstände berufen. So entschied das Amtsgericht Hamburg (Az. 23a C 158/19).

Am 3. Juni 2018 war es am Flughafen Hamburg zu einem vollständigen Stromausfall gekommen. Da für eine davon betroffene Fluggesellschaft nicht absehbar war, wie lange der seit mehr als 14 Stunden bestehende Stromausfall andauern würde, entschied sie sich zur Annullierung eines Fluges am Folgetag. Die Stromversorgung konnte schließlich am frühen Morgen des 4. Juni 2018 wiederhergestellt werden, sodass der annullierte Flug hätte starten können. Ein von der Flugannullierung betroffener Fluggast klagte gegen die Fluggesellschaft auf Zahlung einer Entschädigung.

Das Amtsgericht Hamburg entschied, dass dem Kläger kein Anspruch auf Entschädigung zusteht. Der Stromausfall am Flughafen stelle einen außergewöhnlichen Umstand im Sinne der VO dar. Mit dem Stromausfall habe ein unvermeidbares Hindernis für die planmäßige Durchführung des Flugs vorgelegen, das nicht der Risikosphäre der Fluggesellschaft zuzurechnen sei. Die technische Funktionsweise des Flughafenbetriebs könne und müsse sie nicht beherrschen. Das Stromversorgungssystem falle in den Verantwortungsbereich des Flughafenbetreibers.

Unerheblich sei der Umstand, dass der Stromausfall im Zeitpunkt des planmäßigen Starts des gestrichenen Flugs beendet war. Ein Luftverkehrsunternehmen sei nicht dazu verpflichtet, einen Flug, der bei Fortdauer eines bereits seit mehr als 14 Stunden andauernden Stromausfalls keinesfalls durchgeführt werden könnte, länger aufrechtzuerhalten als bis sechs Stunden vor der geplanten Abflugzeit.

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