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Recht / Zivilrecht 
Dienstag, 14.11.2017

Schmerzensgeld wegen mangelhafter Tätowierung

Das Amtsgericht München entschied, dass die Einwilligung zum Stechen einer Tätowierung sich nur darauf bezieht, dass die Behandlung mangelfrei ist und nach den Regeln der Kunst erbracht wird. Seien bei einem Tattoo jedoch handwerkliche und gestalterische Mängel unübersehbar, könne ein Anspruch auf Schmerzensgeld bestehen (Az. 132 C 17280/16).

Im vorliegenden Fall ließ sich die Klägerin bei der beklagten Tätowiererin auf den linken Unterarm mehrere Schriftzüge für 80 Euro tätowieren. Einige Tage später erfolgte durch die Beklagte auf Wunsch der Klägerin ein korrigierendes Nachstechen, wofür die Klägerin weitere 20 Euro an die Beklagte bezahlte. Jedoch war die Klägerin der Meinung, das Tattoo sei handwerklich in mehrfacher Hinsicht fehlerhaft. Des Weiteren fühle sie sich außerdem von der Beklagten getäuscht, die ihr wahrheitswidrig gesagt habe, dass sie über mehrjährige Tätowiererfahrung verfüge. Die Klägerin forderte Schmerzensgeld und wollte gerichtlich festgestellt bekommen, dass ihr die zukünftigen Schäden aus der mangelhaften Tätowierung von der Beklagten ersetzt werden müssen.

Das AG München gab ihr Recht. Das Gericht verurteilte die Beklagte auf Zahlung von 1.000 Euro Schmerzensgeld, zur Rückzahlung der 100 Euro und stellte fest, dass der Klägerin von der Beklagten sämtliche Folgeschäden aus der mangelhaften Tätowierung zu ersetzen sind. Die Beklagte habe die Klägerin in ihrer körperlichen Unversehrtheit verletzt, indem sie das Tattoo mangelhaft erstellt habe. Bei dem streitgegenständlichen Tattoo seien handwerkliche und gestalterische Mängel unübersehbar, wie etwa unterschiedliche Strichbreiten und verwackelte Linien, uneinheitliche Abstände zwischen den Buchstaben, teilweise zu eng, sodass ein Wort unleserlich würde; die Namen seien völlig unscharf, was wohl an einer mehrfachen Nachbesserung der Konturlinie liegen würde. Ein professioneller Tätowierer – worunter die Beklagte nach ihren eigenen Angaben falle – mache derartige Fehler nicht; das Tattoo entspreche damit gerade nicht der Qualität, die die Klägerin erwarten durfte. Die entsprechenden Mängel seien auch nicht durch die mangelhafte Pflege der Klägerin begründet, sondern allein durch die Beklagte.

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