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Recht / Zivilrecht 
Dienstag, 14.11.2017

Unfall während Abschleppvorgang - Haftungsausschluss der Vollkaskoversicherung greift

Eine Vollkaskoversicherung muss für einen Unfall beim Abschleppvorgang nicht zahlen, wenn der Versicherungsvertrag eine entsprechende Klausel enthält, wonach ein Unfall zwischen dem ziehenden und dem abgeschleppten Fahrzeug nicht reguliert wird. So entschied das Oberlandesgericht München (Az. 10 U 3749/16).

Im vorliegenden Fall wollten der Kläger und sein achtzehnjähriger Sohn ein Auto abschleppen. Der Sohn steuerte das ziehende Fahrzeug, einen Audi S4. Abgeschleppt wurde mittels Seil. Beim Abschleppvorgang bremste der Sohn zweimal so stark ab, dass das abgeschleppte Fahrzeug zweimal auf das ziehende Fahrzeug auffuhr. Der Vater gab an, der Sohn habe bremsen müssen, da ein entgegenkommendes Motorrad auf die Fahrbahn geraten sei. Die Versicherung verweigerte die Zahlung. Nach einer Ausschlussklausel im Vertrag sei ein Unfall beim Abschleppvorgang nur dann versichert, wenn dieser mit Einwirkung von außen erfolge.

Das Oberlandesgericht hielt die Klausel und die darauf basierende Entscheidung der Versicherung für rechtmäßig. Auch wenn die Versicherung grundsätzlich beweisen müsse, dass die Ausschlussklausel zutreffe, habe der Kläger das Gericht mit seinen Argumenten nicht überzeugt. Die lediglich pauschale Behauptung ohne Darstellung genauer Umstände hätte nicht gereicht. Insbesondere der Umstand, dass der Sohn zweimal so stark abgebremst habe, dass der hintere Wagen aufgefahren sei, sei ein Indiz, dass der Unfall andere Ursachen gehabt hätte. Es spreche viel für die Unerfahrenheit des Sohnes als Unfallursache. Es erschließe sich auch nicht, warum er nach dem ersten Aufprall wieder auf das Gaspedal getreten sei und sodann eine zweite Vollbremsung gemacht habe. Zu beachten sei auch, dass ein Abschleppseil und keine Abschleppstange verwendet worden sei. Dabei müsse man besonders vorsichtig fahren. Auch habe der Sohn einen sehr stark motorisierten Wagen verwendet. Hier bedürfe es eines sehr dosierten Anfahrvorgangs. Der Kläger habe auch nichts vorgetragen, was seine Behauptung untermauere. Weder zur Entfernung des entgegenkommenden Motorrads habe er etwas darlegen können, noch habe der Sohn wahrgenommen, mit welcher Geschwindigkeit das eigene Fahrzeug bewegt worden sei. Auch habe es einen Unterschied in der Darstellung des Kollisionsorts gegeben. Nach Darstellung des Vaters habe dieser im Anschluss an eine Rechtskurve auf einem geraden Stück gelegen, nach Aussage eines Zeugen in einer Rechtskurve. Nachdem der Sohn praktisch keine Angaben habe machen können und der Zeuge zu allen relevanten Fragen zur Unfallstelle, die gefahrenen Geschwindigkeiten unklare oder keine Angaben habe machen können, sei das Oberlandesgericht nicht davon überzeugt, dass der Unfall durch eine Einwirkung von außen verursacht worden sei.

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